2007-07-16 20:32:58

Chateauwald
1917: Und wir leben noch ...

Schwefel, Eisen und Wasser binden sich zu einem neuen Gegner. Ein Gegner, dem man
nicht Herr werden kann. Knietief stapfe ich durch den Morast, dessen braune Wasser seichte
Wirbel werfen. Wirbel als Zeichen dessen, was der Wind als Botenbringer aus der Ferne zu
uns trägt. Ein tiefes Grohlen wie das Stampfen eines Riesenheeres. Dort, wo sonst die strahlende
Sonne die Erde in warmen Schein flutet, dort flackern Lichter auf, bellen laute Explosionen.
Dies ist unser Leben oder das, was davon übriggeblieben ist. Hier bei Ypern, wo wir im dritten
Jahr unter Waffen stehen. Hier bei Ypern, wo nicht mehr nach dem Tage, sondern nach dem
Kampfe geht. Dort stehen wir. Dort kämpfen wir. Dort bluten wir.

Schelmenhaft liegt vor uns der Wald, den die Franzosen "Forêt de chateau" nennen. Dieser
Namen ist nur noch ein blasser Hauch der Wirklichkeit, längst ist der edle, grüne Schein der
Bäume verflogen, nur noch braun-schwarze Stehlen ragen in die grauen, stickigen Lüfte empor.
Die vom Menschen geschaffene Schöpfung des Höllenfeuers hat jegliches Leben aus ihm
verwischt. Zwischen jene düsteren Säulen führt man uns nun, um die Entente endlich zurück
zuwerfen.

Tränen stoßen mir in die Sicht, als ich aus meiner Gedankenwelt in die Wirklichkeit finde. Es
sind Tränen des Krieges, denn solche der Trauer versiegten bereits vor langer Zeit. Sie sind
Früchte des stechenden Windes, der von Feuer und Qualm zeugt. Keine vierhundert Meter weit
ist das Licht mächtig, alles dahinter ist die zweite Welt. Jene Welt, aus der immer wieder neue
Wogen von Briten und Franzosen strömen.

Ein lautes Halt trägt es zu meinen Ohren, es ist der oberste Offizier unseres Trupps.

Offizier: "So, Männer. Der Generalstab sieht vor, daß wir uns hier eingraben, um
den Thommys die Hölle heiß zu machen. Ihr wisst, was das zu bedeuten hat.", spricht
er in getrübter Stimmlage, "Wer Wind säht, wird Sturm ernten."


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